Feste & Traditionen
Grusel global: Halloween von Irland bis Hollywood
Zuletzt aktualisiert: 26. September 2026
Ein Kürbis, eine Handvoll Kunstblut und die Behauptung, das sei uralte Tradition: Kaum ein Fest wird so geliebt, belächelt und unterschiedlich gefeiert wie Halloween. Am Samstag, den 31. Oktober 2026, ist es wieder so weit — ein guter Anlass, den Spuren des Festes zu folgen und die Kostümkiste neu zu denken.

Von Samhain zu All Hallows’ Eve
Die Vorgeschichte von Halloween führt nach Irland und Schottland. Das gälische Fest Samhain markierte den Übergang in die dunkle Jahreshälfte. Feuer, Erzählungen über die Nähe zur Anderswelt und verschiedene Formen der Verkleidung gehören zu den überlieferten Motiven. Eine lückenlose Gerade vom keltischen Ritual zum heutigen Kostümabend lässt sich daraus allerdings nicht ziehen — Halloween vereint Bräuche aus mehreren Jahrhunderten.
Im frühen Mittelalter wurde Allerheiligen in Rom auf den 1. November gelegt und später in der westlichen Kirche verbreitet. Der Vorabend hieß im Englischen All Hallows’ Eve, woraus Halloween wurde. Irische und schottische Auswanderer brachten ihre Bräuche im 19. Jahrhundert nach Nordamerika. Dort ersetzten Kürbisse die in Irland geschnitzten Rüben und das Fest entwickelte seine heutige populäre Form.
Der Kürbis ist damit zugleich Tradition und Ergebnis einer Reise: Ein vertrauter Brauch traf auf ein neues, reichlich vorhandenes Material. Genau solche Veränderungen erklären, warum Halloween heute nicht überall gleich aussieht.
Vier Orte, vier eigene Herbstgeschichten
Mexikos Día de los Muertos liegt zeitlich nahe, ist aber kein mexikanisches Halloween. Familien erinnern mit Altären, Ringelblumen, Speisen und persönlichen Dingen an Verstorbene. Die UNESCO führt die indigene Festlichkeit seit 2008 auf ihrer Liste des immateriellen Kulturerbes. Sie verdient es, als eigenständige Tradition verstanden zu werden — nicht als besonders bunte Gruselparty.
Japan machte Halloween vor allem durch aufwendige Kostümkultur sichtbar. Die berühmte Kawasaki Halloween Parade mit Tausenden Teilnehmenden endete nach ihrer letzten Ausgabe 2019 offiziell im Jahr 2021; kleinere Nachfolgeformate greifen die Idee auf. In Shibuya versucht der Bezirk dagegen seit Jahren, überfüllte Straßenpartys und Alkoholkonsum im öffentlichen Raum einzudämmen.
In Irland erinnern regionale Feuerfeste an die Herkunft von Samhain. Katalonien kennt mit La Castanyada eine eigene Allerheiligen-Tradition aus gerösteten Kastanien, Süßkartoffeln und Mandelgebäck. Auch sie ist kein Halloween-Ableger, sondern eine parallele Herbst- und Gedenkkultur.

Wenn die Tür geschlossen bleibt
Nicht jede Familie und nicht jede Gemeinschaft feiert Halloween. Manche mögen den Grusel nicht, andere lehnen den Konsum ab oder folgen religiösen Überzeugungen. Einzelne christliche, muslimische und jüdische Gemeinschaften stehen dem Fest kritisch gegenüber — eine einheitliche Haltung ganzer Religionen gibt es jedoch nicht.
Auch staatliche oder kommunale Regeln unterscheiden sich. In mehreren russischen Regionen wurden Halloween-Veranstaltungen an Schulen untersagt oder eingeschränkt; ein landesweites Verbot ist daraus nicht geworden. Anderswo konkurriert das importierte Fest mit starken lokalen Bräuchen. Respekt bedeutet deshalb auch, nicht jedes Totengedenken unter das Halloween-Etikett zu stellen.
Für die Nachbarschaft ist eine einfache Absprache hilfreich: Ein leuchtender Kürbis oder ein Schild kann zeigen, wo Kinder klingeln dürfen. Wer nicht teilnehmen möchte, muss sich weder rechtfertigen noch die Tür öffnen. So bleibt der Abend für beide Seiten entspannt.
Deutschland zwischen Skepsis und Samstagsparty
In Deutschland wurde Halloween lange als importierter Kommerz belächelt. Trotzdem ist daraus ein fester Anlass für Süßwaren, Dekoration und Kostüme geworden. Der Handelsverband Deutschland erwartete für 2024 rund 540 Millionen Euro Umsatz; für 2025 lag seine Prognose bei 520 Millionen Euro. Das zeigt ein stabiles Geschäft, ist aber keine verlässliche Vorhersage für 2026.
Der 31. Oktober fällt 2026 auf einen Samstag. Kindergruppen können früher durch die Straßen ziehen, während Partys ohne den üblichen Werktagsdruck starten. Ob daraus ein Rekordjahr wird, lässt sich im September noch nicht seriös sagen. Sicher ist nur: Viele Kostüme werden für wenige Stunden gebraucht und liegen danach wieder bis zur nächsten Saison im Schrank.
Gerade Wohnstraßen zeigen die gemeinschaftliche Seite des Festes. Ein paar beleuchtete Kürbisse, klare Zeiten und Erwachsene, die eine Runde begleiten, reichen oft aus. Die aufwendigste Dekoration ist nicht automatisch die freundlichste.

Hollywood macht aus Grusel eine Industrie
Los Angeles zeigt die andere Größenordnung. Das West Hollywood Halloween Carnaval verwandelt den Santa Monica Boulevard in eine große, kostenlose Kostümveranstaltung. Historische Spitzenwerte von mehreren Hunderttausend Gästen erzählen von der enormen Anziehungskraft, sind aber nicht automatisch die Besucherzahl jeder heutigen Ausgabe.
Bei den Halloween Horror Nights in den Universal Studios Hollywood werden Geisterhäuser, Filmtechnik, Maskenbild und eigens gestaltete Schreckmomente zur abendfüllenden Attraktion. Für 2026 sind ausgewählte Termine von Anfang September bis zum 1. November angekündigt. Halloween ist hier weniger Haustürbrauch als professionell produzierte Unterhaltungswelt.
Zwischen Nachbarschaftskürbis und Filmkulisse liegt ein riesiges Spektrum. Beides nutzt dieselbe Freude am Rollenwechsel — nur Budget, Bühne und Publikum unterscheiden sich deutlich.
Das beste Kostüm hängt vielleicht schon nebenan
Popkultur, Retro-Looks und fantasievolle Gruppenverkleidungen liefern jedes Jahr neue Ideen. Welche Motive 2026 am Ende wirklich dominieren, zeigt sich erst rund um das Fest. Planbarer ist eine andere Entwicklung: Viele Menschen haben keine Lust mehr auf schlecht verarbeitetes Einweg-Plastik und suchen nach gebrauchten, selbst gebauten oder wandelbaren Kostümen.
Ein Vampirumhang wird mit anderer Schminke zum neuen Look, aus alten Kartons entsteht eine Roboterverpackung und ein abgelegtes Y2K-Outfit bekommt seinen zweiten Auftritt. Besonders Gruppen können ihre Gesuche abstimmen: Eine Person sucht Hüte, eine andere Capes, jemand bietet Stoffreste oder Hilfe an der Nähmaschine.
Beim Tauschen zählen ehrliche Angaben zu Größe, Zustand und Lieferumfang. Textilien sollten gereinigt sein; geöffnete Schminke, Kontaktlinsen und hautnahe Klebeprodukte bleiben aus Hygienegründen draußen. Wer früh im Oktober sucht, hat mehr Auswahl und kann fehlende Teile gemeinsam ergänzen.
- Kostümkiste prüfen und gut erhaltene Teile fotografieren
- Gruppenlook als gemeinsames Gesuch veröffentlichen
- Perücken, Masken und Textilien sauber und vollständig übergeben
- Stoffreste, Bastelmaterial und Nähhilfe als Können mitdenken
- Nach dem Fest weitergeben statt bis zum nächsten Umzug lagern

Eine Nacht, viele Bedeutungen
Halloween kann Gedenken, Kinderabend, Straßenparty, Glaubensfrage oder Geschäftsmodell sein. Die Unterschiede werden interessanter, wenn man sie nicht zu einer einzigen Gruselgeschichte glättet. Ein mexikanischer Altar, eine katalanische Kastanienrunde und ein Hollywood-Geisterhaus stehen nicht für dasselbe — auch wenn sie Ende Oktober im Kalender zusammentreffen.
Der gemeinschaftliche Gedanke ist einfacher: Dinge müssen nicht nach einem Auftritt ausgedient haben. Ein getauschtes Kostüm trägt mehrere Geschichten, spart die hektische Suche am 30. Oktober und bringt Menschen zusammen, die vielleicht gleich die nächste Gruppenidee planen. Der Spuk ist am Morgen vorbei. Ein guter Tausch darf bleiben.




